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Ein Sieg für Verschwendung und Verunstaltung

Wenn ich weiß, dass in der BVV ein Antrag auf der Tagesordnung steht, der mir am Herzen liegt und in dessen Text ich einige Arbeit gesteckt habe, fällt es mir nach wie vor schwer, mich auf die übrigen Themen ausreichend zu konzentrieren. Ob es anderen ebenso geht, weiß ich nicht, aber ich befinde mich dann in einer Art Panik-Modus, der mich alle fünf Minuten heftig überfällt: habe ich etwas Wichtiges übersehen? werde ich auf dem Weg ans Redepult stolpern oder einen Anfall von Kurzzeitalzheimer erleiden? wie lange sind nochmal zwei Minuten (= meine Redezeit)? und so weiter ….. Das mit der Zeit bekomme ich tatsächlich oft nicht hin, aber mein Zeitgefühl ist auch sonst im Leben etwas unzuverlässig oder einfach nur leicht südöstlich geprägt.

Zum Glück war die Sitzung relativ kurz. Anscheinend hatten sich doch einige in Vorfreude auf den versprochenen Umtrunk mit unserer BVV-Vorsteherin und deren Stellvertreterin zurückgehalten. Freundlicherweise bekam ich auch Einladungen zur Weihnachtsfeier der Piraten und zum Neujahrsempfang der SPD sowie einen kleinen Nikolaus von der CDU 🙂 Wie gerne würde ich mich revanchieren, aber ohne Fraktionskasse?

Bemerkenswert fand ich, dass es schwierig sein soll, das neue JobCenter ordentlich auszuschildern, damit die Kundinnen und Kunden nicht erst beim Fraunhofer-Institut auflaufen.

Noch bemerkenswerter: die Aussage von Herrn Engelmann, dass 500 Plätze für die Kältehilfe für Wohnungslose finanziert würden, aber im Bezirk nur 475 bestünden. Es wäre nicht möglich weitere 25 zu finden, deren Bezahlung ja sichergestellt sei. Wirklich nicht????

Weiterhin berichtete Herr Engelmann auf eine Anfrage, dass laut dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) der Vertrag mit dem Träger des Flüchtlingsheims in der Rognitzstraße, welches der Niederlassung von BMW geopfert werden sollte, nun doch verlängert wird. Außerdem würde das ehemalige Hotel am Kaiserdamm gerade umgebaut. Seine Kapazität soll um 150 zusätzliche Plätze – hoffentlich nicht „Besenkammern“ – erweitert werden und die Eröffnung im Januar stattfinden. Träger würde die AWO. Herr Naumann meldete sich ebenfalls zu Wort und begrüßte den „Meinungsumschwung bei BMW“ und betonte, dass es im Bezirk eine Willkommenskultur gebe, sowohl Flüchtlingen, wie auch Gewerbeansiedlungen gegenüber, welche nicht gegeneinander auszuspielen seien. Einen Kommentar spare ich mir hier.

Zum Thema „arbeitlose Jugendliche im Bezirk“ erfolgte eine längere Debatte, angeheizt vor allem durch die Aussage von Herrn Förschler (CDU), dass es trotz aller Maßnahmen immer einen „Bodensatz“ von Jugendlichen geben würde, die nicht vermittelbar wären.

Zum Schluss endlich kam unser Antrag DS 0797/4 an die Reihe. Das Thema „Weniger Parteiplakate in Wahlkämpfen“ ist nicht neu und wer auch immer beim Plakatieren unterwegs war, erinnert sich an die zahlreichen Kommentare von Passanten. Holger und ich trugen alle der guten Argumente in der knappen, uns zur Verfügung stehenden Redezeit vor, die auch schon Vertreter_innen anderer Parteien in anderen Städten und Gemeinden ganz Deutschlands vorgebracht hatten und damit teilweise Einsehen erreichten: weniger Umweltbelastung, Arbeitsersparnis für das Ordnungsamt, entfallende Kosten für den klammen Bezirk, Ablehnung vieler Bürger gegenüber der massenhaften Plakatwerbung und deren zweifelhafte Wirkung, Verkehrsgefährdung, Verschandelung des Stadtbilds, Entlastung ehrenamtlicher Parteimitglieder, …. So preiswert – und sogar dabei sparend – wie selten in Zeiten hinten und vorne fehlender Finanzmittel, hätten wir unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern eine Feiertagsfreude bereiten und dabei sinnlose Verschwendung und Verunstaltung des Bezirks eindämmen können. Jedoch stimmten CDU, SPD und Grüne, wie die Schafe, geschlossen gegen diesen sorgfältig durchdachten und in seinen Details berechneten Antrag! Wie die Schafe, ja, denn in Einzelgesprächen zeigte sich, dass etliche Verordnete dieser Parteien unsere Bedenken und auch das Ansinnen teilten.

Gōng Xǐ Fā Cái! – Frohes Neues Jahr!

Seniorenclubs sind für Menschen ab dem 50. Lebensjahr vorgesehen und einige der Gäste des gestrigen „Chinesischen Neujahrsfestes“ fanden diesen Namen etwas problematisch, da er doch irgendwie verstaubt und mehr nach Kaffeekränzchen klingt, was auf mögliche Besucherinnen und Besucher ziemlich abschreckend wirkt. Offen gestanden hatte ich dieses Klischee auch ein wenig im Hinterkopf und fühlte mich mindestens drei Minuten lang depremiert bei dem Gedanken, dass ich ja auch schon „für sowas“ Zielgruppe bin. Dabei sind solche Vorurteile unbegründet, denn vor Ort trafen sich fröhliche Menschen, die zum Teil erheblich munterer und frischer wirkten, als etliche 30- bis 40-Jährige, die ich kenne.

Der Name sollte tatsächlich geändert werden, denn in dieser Einrichtung wird zwar auch Kaffeetrinken angeboten, aber ebenso gibt es Chinesischkurse, Kalligrafie-Workshops, (auch für jüngere Menschen) interessante Veranstaltungen, internationale Begegnungen und andere kulturelle Angebote.

Löwentanz der Kungfu-SchuleGestern war es nun der Beginn des Jahres des Drachen der Anlass für eine Einführung in die chinesischen Neujahrstraditionen, eine Ausstellungseröffnung, den Vortrag von chinesischen Liedern und Gedichten, einen kleinen Imbiss und die Vorführung des klassischen Löwentanzes durch die Tanzgruppe einer Kungfu-Schule. Am Ende sollten alle Gäste gemeinsam die Geister des Vorjahres, die Lärm, Feuer und die Farbe Rot (ist deswegen Herr Engelmann später gekommen und früher gegangen?) besonders fürchten, mit möglichst großem Krach verscheuchen. Das geschah mit Hingabe und ich hoffe nur, mich deshalb nicht demnächst im Ausschuss für Eingaben und Beschwerden mit einer weiteren Klage über Lärmbelästigung befassen zu müssen.

Auch das noch!

Es gibt neben den Ausschüssen und der BVV noch andere Runden, die sich mit bezirklichem Geschehen, in direktem Kontakt zu den zuständigen Stadträten, befassen. Diese gibt es zu verschiedenen Themen und es treffen sich dort Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden, Vereinen, sonstige Spezialist_innen und – Bezirksverordnete.

Bei einigen dieser Beiräte, Kommissionen, AGs sind auch Interessierte zugelassen, was den erheblichen Vorteil bietet, dass dann eher Genossinnen oder Genossen, die etwas vom jeweiligen Thema verstehen, teilnehmen können als überforderte Verordnete, die an der Stelle nicht viel mehr machen können als einen freundlichen Eindruck. Du liebe Zeit! Wir sind 2 (in Worten: zwei) Menschen, die zwar zum Glück aufgrund ihrer Interessen, Erfahrung, Herkunft und Lebensweise ein ziemlich breites Spektrum abdecken, aber eben auch nicht alles wissen oder kennen.

So ist mir dieser Tage unter anderen eine Einladung der PSAG (psychosoziale Arbeitsgemeinschaft Charlottenburg-Wilmersdorf) zugegangen. Das ist eine der Gruppen, die leider nicht für die Öffentlichkeit vorgesehen sind und es besteht teilweise durchaus die Erwartung, dass ich daran teilnehme. Diese AG ist gewiss sehr wichtig. Allerdings habe ich zu der Zeit den letzten regelmäßigen Familientermin an dem ich meinen sechsjährigen Enkel zum Judotraining begleite und den ich absolut nicht aufgeben möchte. Gleich schwer wirkt sicherlich die Tatsache, dass ich z. B. von Psychotherapie mit Psychose-Patienten – das ist das Thema der nächsten Sitzung – noch viel weniger verstehe als von samoanischem Volkstanz und es reicht auch nicht, mal schnell nebenbei ein Buch darüber zu lesen.

Die Einladung zum Fahr-Rat werde ich nächsten Dienstag allerdings wahrnehmen, obwohl ich als Fußgängerin auch da sicher nicht die 1. Wahl bin.

Noch eine Weihnachtsfeier

Gestern war das Seniorenheim Koenigsallee an der Reihe. Es gehört ebenso zur Wilmersdorfer Seniorenstiftung wie das Heim in der Lentzeallee.

Das Publikum war allerdings ein etwas anderes und dementsprechend auch die Veranstaltung, die in Teilen von den älteren Leuten gestaltet wurde. Es wurde gemeinsam gesungen – ja, auch wir Gäste – und Gedichte und eine Geschichte mit verteilten Rollen vorgelesen. Ansonsten trat der Berliner Mädchenchor auf und seine Darbietungen haben mir doch sehr gefallen.
Leider musste ich diesmal wegen unserer Mitgliederversammlung schon vor dem Essen gehen.

Und um es nicht zu vergessen: wo ich meinen Augen kaum traute: im Eingangsbereich (innen!) gab es nett hergerichtete Tische mit Aschenbechern. Das nenne ich doch senior_innenfreundlich, denn alte Menschen mit modernem Gesundheitswahn zu quälen, kann doch keine sensible Pflege sein.

Weihnachtsfeiern

Um diese Jahreszeit werden Bezirksverordnete auch zu Weihnachtsfeiern eingeladen. Zeitlich ist das manchmal schon etwas schwierig, aber gleichzeitig eine schöne Sache und man kommt im Bezirk auch in bislang weniger bekannten Gegenden herum.

Gestern besuchte ich also das Seniorenheim Lentzeallee. Das musikalische Programm war auf die Bewohner_innen – sogar mehrere Überhundertjährige – zugeschnitten, auch in der Lautstärke. Den älteren Leuten schien es jedenfalls zu gefallen und das Essen danach erfreute alle Anwesenden.

Das Beste bei solchen Gelegenheiten ist allerdings die Möglichkeit, Menschen zu treffen und Neues zu lernen, z. B. über Senioren- bzw. Pflegeheime im Allgemeinen, welche Probleme sich da gelegentlich stellen und auf welche Weise damit umgegangen wird. Und wenn das Rauchverbot einen Vorteil bietet, dann den, dass man am Aschenbecher vor der Tür sehr einfach – in diesem Fall mit Angehörigen von Bewohner_innen – mit vorher Unbekannten in interessante Gespräche kommt.

Persönlich hervorragend gefallen hat mir eines der Angebote für Aktivitäten im Fahrstuhl – und ich denke nicht, dass diese Hinweise nur für den „Feiertag“ da angebracht waren. „Englisch für Anfänger“ stand auf dem Zettel und ich fand ihn sehr ermutigend, insbesondere wenn ich irgendwann einmal wieder die Wörter „zu alt“ hören sollte.

Sportler_innen-Ehrung

Als Bezirksverordnete bekommt man auch eine Menge Einladungen zu offiziellen Anlässen vieler Art. Die „Meisterehrung des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf“ vom Bezirkssportbund war eine angenehme.

Wenn man es denn endlich geschafft hatte, die Gretel-Bergmann-Sporthalle zu finden, wo die Veranstaltung stattfinden sollte. Auch der Kollege von den Piraten hatte da so seine Schwierigkeiten und unsere zuständige Stadträtin wählte gleich die sichere Methode: ein Taxi. Als ich endlich am Ort angekommen war, bemerkten die beiden empfangenden Herren jedenfalls nur und leicht grinsend „Aha, Charlottenburgerin.“, ohne dass ich mich geoutet hatte. In den letzten Jahrzehnten wurde in dieser Stadt viel über Zusammenwachsen gesagt und geschrieben; Ost und West wurde dabei eindeutig überbewertet ….

Jedenfalls kam ich noch rechtzeitig, um die Urkundenverleihung an zahlreiche junge Menschen aus dem Bezirk für ihre sportlichen Leistungen mitzuerleben. Dass darunter Jungs von Tennis Borussia waren, ließ natürlich mein lila-weißes Herz höher schlagen. Nett waren auch Vorführungen junger Rugby-Spieler_innen des Berliner Rugby Clubs (ich habe mich gleich erkundigt, wo eventuell mein Enkel hingehen könnte und mich über die alte Problematik Schule – Sportverein und die generellen Schwierigkeiten von nicht ganz so populären Sportarten unterhalten) und eine kleine Tae-Kwon-Do Show.

Danach gab es ein Buffet, was ehrenamtliche Politiker_innen, denen oft die Zeit zum Kochen fehlt, immer sehr schätzen. Schade dass diesmal das Bezirksamt keine Mittel für die Ausrichtung der Feier zur Verfügung gestellt hat bzw. infolge der Haushaltssperre nicht stellen konnte. Das müsste sich im kommenden Jahr ändern.

Woran ich bei Gelegenheiten wie diesen, aber auch bei Musikvorführungen immer denken muss und was mich ein wenig betrübt, ist die Tatsache, dass die Teilnahme an diesen sogenannten Freizeitaktivitäten sehr oft von der finanziellen bzw. beruflichen Situation der Eltern abhängt.
Die entwicklungsfördernde Wirkung, von Sport und Musik ist doch inzwischen mehrfach wissenschaftlich bewiesen worden und sie sollte allen Menschen, insbesondere Kindern, zugute kommen. Die Vereine und der Musikunterricht gehören in die Schulen, wo die jungen Menschen sind und die Teilnahme an den Angeboten muss kostenfrei angeboten werden. Davon würden alle Beteiligten profitieren und wer weiß, wie viele zusätzliche Talente dabei entdeckt und gefördert werden können. Auf jeden Fall würde in der Folge viel Geld für Therapien verschiedener Art, Suchtprävention und, nicht zuletzt, Kriminalitätsbekämpfung gespart – und es gäbe einige glückliche Menschen mehr.