Archiv der Kategorie: Veranstaltungen

Noch eine Weihnachtsfeier

Gestern war das Seniorenheim Koenigsallee an der Reihe. Es gehört ebenso zur Wilmersdorfer Seniorenstiftung wie das Heim in der Lentzeallee.

Das Publikum war allerdings ein etwas anderes und dementsprechend auch die Veranstaltung, die in Teilen von den älteren Leuten gestaltet wurde. Es wurde gemeinsam gesungen – ja, auch wir Gäste – und Gedichte und eine Geschichte mit verteilten Rollen vorgelesen. Ansonsten trat der Berliner Mädchenchor auf und seine Darbietungen haben mir doch sehr gefallen.
Leider musste ich diesmal wegen unserer Mitgliederversammlung schon vor dem Essen gehen.

Und um es nicht zu vergessen: wo ich meinen Augen kaum traute: im Eingangsbereich (innen!) gab es nett hergerichtete Tische mit Aschenbechern. Das nenne ich doch senior_innenfreundlich, denn alte Menschen mit modernem Gesundheitswahn zu quälen, kann doch keine sensible Pflege sein.

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Weihnachtsfeiern

Um diese Jahreszeit werden Bezirksverordnete auch zu Weihnachtsfeiern eingeladen. Zeitlich ist das manchmal schon etwas schwierig, aber gleichzeitig eine schöne Sache und man kommt im Bezirk auch in bislang weniger bekannten Gegenden herum.

Gestern besuchte ich also das Seniorenheim Lentzeallee. Das musikalische Programm war auf die Bewohner_innen – sogar mehrere Überhundertjährige – zugeschnitten, auch in der Lautstärke. Den älteren Leuten schien es jedenfalls zu gefallen und das Essen danach erfreute alle Anwesenden.

Das Beste bei solchen Gelegenheiten ist allerdings die Möglichkeit, Menschen zu treffen und Neues zu lernen, z. B. über Senioren- bzw. Pflegeheime im Allgemeinen, welche Probleme sich da gelegentlich stellen und auf welche Weise damit umgegangen wird. Und wenn das Rauchverbot einen Vorteil bietet, dann den, dass man am Aschenbecher vor der Tür sehr einfach – in diesem Fall mit Angehörigen von Bewohner_innen – mit vorher Unbekannten in interessante Gespräche kommt.

Persönlich hervorragend gefallen hat mir eines der Angebote für Aktivitäten im Fahrstuhl – und ich denke nicht, dass diese Hinweise nur für den „Feiertag“ da angebracht waren. „Englisch für Anfänger“ stand auf dem Zettel und ich fand ihn sehr ermutigend, insbesondere wenn ich irgendwann einmal wieder die Wörter „zu alt“ hören sollte.

Sportler_innen-Ehrung

Als Bezirksverordnete bekommt man auch eine Menge Einladungen zu offiziellen Anlässen vieler Art. Die „Meisterehrung des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf“ vom Bezirkssportbund war eine angenehme.

Wenn man es denn endlich geschafft hatte, die Gretel-Bergmann-Sporthalle zu finden, wo die Veranstaltung stattfinden sollte. Auch der Kollege von den Piraten hatte da so seine Schwierigkeiten und unsere zuständige Stadträtin wählte gleich die sichere Methode: ein Taxi. Als ich endlich am Ort angekommen war, bemerkten die beiden empfangenden Herren jedenfalls nur und leicht grinsend „Aha, Charlottenburgerin.“, ohne dass ich mich geoutet hatte. In den letzten Jahrzehnten wurde in dieser Stadt viel über Zusammenwachsen gesagt und geschrieben; Ost und West wurde dabei eindeutig überbewertet ….

Jedenfalls kam ich noch rechtzeitig, um die Urkundenverleihung an zahlreiche junge Menschen aus dem Bezirk für ihre sportlichen Leistungen mitzuerleben. Dass darunter Jungs von Tennis Borussia waren, ließ natürlich mein lila-weißes Herz höher schlagen. Nett waren auch Vorführungen junger Rugby-Spieler_innen des Berliner Rugby Clubs (ich habe mich gleich erkundigt, wo eventuell mein Enkel hingehen könnte und mich über die alte Problematik Schule – Sportverein und die generellen Schwierigkeiten von nicht ganz so populären Sportarten unterhalten) und eine kleine Tae-Kwon-Do Show.

Danach gab es ein Buffet, was ehrenamtliche Politiker_innen, denen oft die Zeit zum Kochen fehlt, immer sehr schätzen. Schade dass diesmal das Bezirksamt keine Mittel für die Ausrichtung der Feier zur Verfügung gestellt hat bzw. infolge der Haushaltssperre nicht stellen konnte. Das müsste sich im kommenden Jahr ändern.

Woran ich bei Gelegenheiten wie diesen, aber auch bei Musikvorführungen immer denken muss und was mich ein wenig betrübt, ist die Tatsache, dass die Teilnahme an diesen sogenannten Freizeitaktivitäten sehr oft von der finanziellen bzw. beruflichen Situation der Eltern abhängt.
Die entwicklungsfördernde Wirkung, von Sport und Musik ist doch inzwischen mehrfach wissenschaftlich bewiesen worden und sie sollte allen Menschen, insbesondere Kindern, zugute kommen. Die Vereine und der Musikunterricht gehören in die Schulen, wo die jungen Menschen sind und die Teilnahme an den Angeboten muss kostenfrei angeboten werden. Davon würden alle Beteiligten profitieren und wer weiß, wie viele zusätzliche Talente dabei entdeckt und gefördert werden können. Auf jeden Fall würde in der Folge viel Geld für Therapien verschiedener Art, Suchtprävention und, nicht zuletzt, Kriminalitätsbekämpfung gespart – und es gäbe einige glückliche Menschen mehr.

Gedenken an die Pogromnacht vom 9. November 1938

Nicht zum ersten Mal nahmen wir an der traditionellen Gedenkveranstaltung am Gleis 17 beim S-Bahnhof Grunewald teil. Sie wird von Schülerinnen und Schülern des Gottfried-Keller-Gymnasiums und der Landespolizeischule sowie vom Bezirksamt veranstaltet.
Wolfgang und Marlene am Mahnmal am Gleis 17
Ein Schweigemarsch folgt dem letzten Abschnitt des unfreiwilligen Weges zahlreicher Berliner Opfer des Nationalsozialismus, insbesondere Jüdinnen und Juden, zum berüchtigten Gleis 17, von wo aus sie deportiert wurden. Am Mahnmal findet eine Kundgebung statt, bei der diesmal unser neuer Bürgermeister Naumann in seiner Rede hauptsächlich an den im April verstorbenen Zeitzeugen und Mitinitiator der Veranstaltung, Isaac Behar, erinnerte, dessen Eltern und Schwestern von hier aus nach Riga ins Verderben geschickt worden waren.

Es ist immer besonders bewegend, von den Geschichten einzelner Menschen zu erfahren und ich frage mich regelmäßig, wie ich mich unter ähnlichen Umständen verhalten hätte. Einerseits ist da die Vorstellung, wie es gewesen wäre, Opfer zu sein – nach Nazi-Kriterien hätten die Mitglieder meiner Familie jeweils entweder als „Kommunisten“ oder „Zigeuner“ oder „Asoziale“ gegolten. Und ohne diese Stigmata? Im Nachhinein ist es billig, die Überzeugung zu pflegen, man wäre aufmerksam gewesen, hätte sich in jeder Situation menschlich korrekt verhalten oder Widerstand geleistet. Ehrlicherweise können wir nur hoffen, aber keinesfalls garantieren, dass wir jederzeit das Richtige getan hätten.

Gedenkveranstaltungen dieser Art sollten uns auf jeden Fall zu denken geben und zwar nicht nur an die Vergangenheit. Sie sollen uns ständig ermahnen, auch heute ganz genau hinzusehen und hinzuhören, was um uns herum geschieht – und rechtzeitig einzugreifen, wenn sich Menschenverachtung breitmacht und geistige Brandstifter unterwegs sind. Als Bezirksverordnete stehen wir da in besonderer Verantwortung, zu verhindern, dass sich Rechtsextremismus und -populismus in Charlottenburg-Wilmersdorf zu Hause fühlen. Erst sind es, wie in diesem Jahr bereits geschehen, hässliche Aufkleber und Plakate, Geschäfte mit bei Neonazis beliebter Kleidung oder Versammlungen einschlägiger Organisationen.

Stellen wir uns bereits da entschieden dagegen und warten wir nicht bis es, wie vor 73 Jahren, im Bezirk brennt oder Blut fließt!