Beim Behindertensportverband Berlin

Diejenigen, die den Konsistorienflügel – er heißt wirklich so – auf dem Hertha-BSC-Gelände in der Hanns-Braun-Straße finden konnten, wurden mit einem Schild freundlich vom Behindertensportverband Berlin begrüßt.

In Vertretung von Herrn Naumann leitete heute Elfi Jantzen die Sitzung und hatte sich wohl recht ordentlich vorbereitet. Leider fehlt Herr Fenske, der Vorsitzende vom Sportausschuss, obwohl ich ihn noch letztlich erinnert habe – wahrscheinlich hatte er noch einen anderen Termin. Für den Sportausschuss wäre ein Besuch zweifellos ebenfalls interessant gewesen und ich hatte schon einmal angeregt, beim Behindertensportverband zu tagen.

Herr Prose, der Landesgeschäftsführer, stellt seinen Verband vor. Dieser hat zurzeit 206 Mitglieder (Vereine) mit insgesamt rund 24.000 Mitgliedern und acht feste Mitarbeitende.FAchgebiete sind hauptsächlich der Reha-Sport mit 3300 Sportangeboten berlinweit, der Paralympics- und andere Kader, die Durchführung von Sportveranstaltungen und nicht zuletzt die Aus- und Weiterbildung (1300 Übungsleiter_innen). Zum Konzept gehört die „Inklusion rückwärts“, das bedeutet, Nichtbehinderte dürfen (und sollen!) mitmachen.
Daneben bestehen noch der Gehörlosensportverband, Special Olympics usw., mit denen es noch zu wenig Berührungspunkte gibt.

Dann stellte Herr Schmidt von der Sportgemeinschaft Handicap seinen Verein vor. 1955 gegründet, gab es mehrfache Namensänderungen. Von den rund 450 Mitgliedern, im Alter von 8 bis 103 Jahren, ist ungefähr die Hälfte Männer. Circa 2/3 haben körperliche oder so genannte „geistige“ Einschränkungen, 10% Migrationsgeschichte.
Von den angebotenen Sportarten ist Wassergymnastik überaus beliebt und in der Folge bestehen längere Wartelisten. Rollstuhlbasketball wird ebenfalls gerne angenommen, auch als Wettkampfsport. Hier sind auch Nicht-Rollstuhlfahrende sehr willkommen und es gibt immer wieder Schnupper-Workshops und Leihrollstühle. Ob das vielleicht auch für mich noch eine Möglichkeit wäre, Basketball zu spielen? Wenigstens hätte ich da zur Abwechslung keine Größenbenachteiligung.
Wer sich gerne sportlich betätigen möchte, kann es neben anderem auch mit Fußballtennis oder Bosseln versuchen. Diese Abteilungen freuen sich besonders über neue Mitglieder.

Der Behindertensportverband Berlin hat gute Kontakte zum Landessportbund und natürlich auch die Berliner Sporterklärung unterschrieben. Ebenfalls ist er Mitglied im Netzwerk Sport und Inklusion. Noch in diesem Jahr soll übrigens beim Senat eine Konferenz zum Netzwerk stattfinden (hoffentlich zu einem Termin, an dem ich Zeit habe).
Was den Namen betrifft, so ist der Verband nicht mehr eingeschränkt glücklich mit dem Begriff „Behinderte“ und betont zunehmend seinen Slogan „Ungehindert sportlich“, der doch recht ermunternd klingt.

Aus bekannt aktuellem Anlass kam die Frage, wie der Verband zu Olympia/Paralympics in Berlin steht: diese werden, auch in der Hoffnung auf weitere Bekanntheit und Verbesserung der Lage unterstützt. Dass in der derzeitigen Planung, beispielsweise des olympischen Dorfs nur rund 1/3 der Anlagen barrierefrei vorgesehen sind, befremdete alle Anwesenden. Ansonsten fände Herr Prose nicht getrennte Spiele eine feine Sache.
Erfreulich ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass „Jugend trainiert für Olympia“ und „Jugend trainiert für die Paralympics“ zunehmend gemeinsam durchgeführt wird. Inzwischen gibt es auch ein gemeinsames Schwimmteam.

Es soll Fördermittel für Inklusion im Sport geben. Vom Senat kommen 200.000 Euro pro Jahr, allerdings für alle möglichen „Minderheiten“. Besonders viel ist das folglich nicht. Jedenfalls bestehen Vergaberichtlinien und Vereine können Anträge stellen.

Bei der Barrierefreiheit von Schwimmhallen haben Bezirke leider keinen Einfluss; hier sind die Bäderbetriebe zuständig. Es soll ansonsten eine Liste von Sportanlagen, auch mit Angaben zur Zugänglichkeit geben, die eigentlich schon im Internet stehen sollte. Wann das wohl passiert?
Das Problem vieler Vereine mit Hallen- oder Platzzeiten haben, trotz der Bestimmungen in der SPON auch jene im inklusiven Sport. Momentan bietet zum Beispiel auch die Eissporthalle P 9 nicht genügend Zeiten für Sledge-Hockey, so dass Spieler_innen sogar gelegentlich in Osthallen ausweichen müssen.

Herr Friedrich berichtete anschließend vom Ortstermin mit Schwerpunkt auf Barrierefreiheit für Blinde und Sehbehinderte in den Wilmersdorfer Arcaden und im dortigen Bürgeramt. Bei den Umzügen war er nicht wirklich und von Anfang an einbezogen worden. Die Begehung der Arcaden fand auf seine Initiative und Kosten statt. Im Ausschuss für Bürgerdienste usw. wird das Begehungsprotokoll diskutiert werden. Leider bin ich dort nicht Mitglied.
Bei der Gelegenheit erfuhren wir, dass Sinnesbehinderungen in Berlin beim Bauen nicht verbindlich berücksichtigt werden müssen. Das Problem besteht insbesondere in Innenräumen. Es gibt da nur Leitlinien, z. B. DIN 18040

Im Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ist vorgesehen, dass das Bezirksamt quartalsweise zum Stand berichten muss. Herr Friedrich wird sich laufend informieren und sich direkt mit den Bezirksamtsmitgliedern in Kontakt setzen.
Das Projekt Co-Working-Space wird leider im Bezirk nicht umgesetzt, sondern in einem anderen Bezirk.
Noch in diesem Jahr wird Herr Friedrich einen Runden Tisch zur Teilhabe im Arbeitsleben einberufen. Ansonsten gibt es zu dem Thema morgen ein Treffen von Herrn Naumann mit Arbeitgebern.

Die nächste Beiratssitzung findet am 17.11. zum Thema Mobilität statt. Anregungen nimmt Herr Friedrich gerne entgegen.

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Veröffentlicht am 15. September 2014 in andere Sitzungen und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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