Mehreres auf einmal

Erst Ältestenrat, dann mehrere Ausschüsse auf einmal. Dass Gender-Mainstreaming und Sport eine gemeinsame Sitzung haben sollten, war klar – und sinnvoll; gerade, weil es ja den Runden Tisch Frauen im Sport nicht mehr gibt.

Gleichzeitig fand, glücklicherweise im selben Rathaus, der Ausschuss für Bürgerdienste etc. statt, auf dessen Tagesordnung gleich zu Beginn der Antrag DS 0658/4 (Unisex-Toiletten) stand. Sigi Schlosser war verhindert und so war ich quasi als Ersatz-Piratin (mit Stimmrecht) dort, um ein gutes Wort für diese, für viele Menschen nützliche Sache einzulegen. Nach dem Ausschuss für Gender-Mainstreaming hatte auch der Jugendhilfeausschuss bereits der ursprünglichen Fassung zugestimmt.
Ich hatte für heute mit diesem oder jenem Einwand oder Unverständnis für das Anliegen gerechnet und mich entsprechend vorbereitet, war dann aber doch ein wenig überrascht. Alle Anwesenden zeigten sich, nach eigener Aussage, mit den Themen Trans* und Inter* wohlvertraut.
Dafür hatte diesmal die CDU Bedenken, dass es hier doch zu größeren Kosten kommen könnte und störte sich an dem Wort „einrichten“ (von Unisextoiletten) im ersten Satz. Also erklärte ich, dass es sich nicht um größere Baumaßnahmen handeln soll, sondern an der Stelle nur eine Wortwiederholung vermieden wurde. So minimal gefällig dürfen Antragstexte doch schon klingen. Außerdem stünde in dem Antrag nicht detailliert, in welchen Gebäuden nun genau und im einzelnen solche Toiletten vorgesehen sein sollten und deren exakte Zahl. Immerhin wurde nicht noch nach dem Namen der Großmutter des Werktätigen, der die Schilder montieren würde, gefragt.
Eine Dame aus der Verwaltung trug die genaue Anzahl von WCs jeder Sorte in den beiden Rathäusern vor und fand, dass jeweils eine Unisex-Toilette schon machbar sein sollte. Eine? Bei rund 40 Klos? Das hielt ich nun doch für arg spärlich.
Die Grünen wiederum wollten dem Antrag nur zustimmen, wenn ausschließlich Männertoiletten umgewidmet werden sollten, wofür sich vor allem die beiden männlichen Verordneten stark machten. Ganz gerecht ist das ja nicht und es folgte noch eine Diskussion über die unterschiedlichen WC-Formen und deren Benutzung.
Am Ende der Debatte gab es schließlich ein einstimmiges Votum für den ursprünglichen Antrag mit der Änderung im Sinne der Grünen. Ebenfalls wurde die Dringlichkeit beschlossen, so dass der Antrag also in der BVV nächste Woche abgesegnet werden kann.

Um einiges später als vermutet konnte ich in den Minna-Cauer-Saal wechseln, wo gerade die Diskussion um die Förderung von Mädchen und Frauen im Fußball im Gange war. Nach dem, für mich und überhaupt, überaus peinlichen Rückzug von Tennis Borussia auf dem Gebiet gibt es im Bezirk nur noch zwei Vereine, bei denen Mädchen und Frauen spielen. Die Wortmeldungen waren eher eine Ansammlung von Anekdoten, teilweise von Ahnungslosigkeit geprägt und ansonsten vieles, das ich schon seit mindestens 15 Jahren bei vielen Gelegenheiten anhören muss. Es verdrießt mich, wieder und wieder die endlose Litanei der angeblichen Schwierigkeiten und der gegenseitigen Verantwortungszuweisungen über mich ergehen zu lassen und den Hinweis, dass sich ja doch schon viel bewegt hätte. Von wegen. Im Februar 2005 gab es in Charlottenburg-Wilmersdorf bereits vier Frauen- und neun Mädchenteams, dazu noch zahlreiche gemischte Teams in den jüngeren Altersgruppen. Wenn tatsächlich der Wunsch nach Verbesserung der Situation besteht, dann muss hier aktiv etwas getan werden, von den Vereinen, vom Bezirk und nicht zuletzt vom Berliner Fußball-Verband, der bereits im Vorjahr von Frau Ratzeburg aus dem Vorstand des DFB heftig kritisiert wurde. Ich wollte ja Frau Lehmann, die Referentin für Mädchenfußball beim BFV, nicht beleidigen – sie war schließlich zu Gast – und habe mich bei meinem Redebeitrag soweit beherrscht. Ein paar Worte musste ich aber doch in die Runde loswerden, denn mit netten, mehr oder weniger ernst gemeinten, Absichtserklärungen tut sich gar nichts und die Diskussion wird sich noch in 20 Jahren im selben Kreis drehen wie seit eh und je.
Eine merkenswerte Aussage möchte ich auf jeden Fall noch erwähnen: Herr Fenske, Vorsitzender des Sportausschusses und Präsident des BSV, kündigte an, dass es spätestens in einem Jahr in seinem Verein Fußball für Mädchen geben wird. 2005 spielten dort bereits B- und C-Mädchen und es ist höchst erfreulich, wenn hier eine Tradition wiederbelebt wird. Das musste ich jetzt unbedingt erwähnen, denn bekanntlich vergisst das Internet nichts 😉

Herr Leisegang vom BFV war leider nicht anwesend, so dass der Punkt „Gewalt im Sport“ vertagt werden musste.

Advertisements

Veröffentlicht am 16. Oktober 2013 in Ausschüsse und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Nachtrag zum Antrag DS 0658/4 (Unisex-Toiletten):
    Nachdem ich aus Rücksicht auf die Meinung der LAG DIE LINKE.queer Berlin-Brandenburg – wenngleich ich sie nie verstanden habe – den Antrag nicht von Anfang an auch unter meinem Namen miteingebracht hatte, bin ich in dieser Ausschusssitzung doch dem Antrag beigetreten. Immerhin hatte ich daran mitgetextet, ihn propagiert und ihn zwischendurch auch unter zusätzlichen als Queer-Aspekten begründet. Dann nicht mit draufzustehen, ist einfach albern. Leider hat aber Frau Hansen, Vorsitzende des Bürgerdiensteausschusses, meine Meldung dazu anscheinend nicht registriert – und heute in der BVV, als ich noch einmal sah, dass mein Name fehlte, hieß es, dass ich (sinngemäß) mehr oder weniger Pech hätte und sich hier nichts mehr ergänzen lässt.
    (Nein, ich schreibe jetzt nichts Unhöfliches dazu!!!!)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: