Was ist ein Problem?

Was für die einen ein größeres Ärgernis, kann für andere viel weniger bedeutend erscheinen. Diese Schwierigkeit hatte ich heute im Ausschuss für Eingaben und Beschwerden.

Eine Frau aus einer neu gebauten Wohnsiedlung am südlichen Rand von Charlottenburg-Wilmersdorf, die gleich mit 12 ihrer Nachbarinnen und Nachbarn ins Rathaus kam, beschwerte sich darüber, dass der Gehsteig vor den Häusern nur im Mittelstreifen geteert wurde, während zum Grundstück hin und da, wo die Straßenbäume stehen, Erde ist. Der Teerstreifen wäre nicht überall eben, zu schmal und würde im Vergleich zur restlichen, eleganten Straße minderwertig aussehen.
Weil ich mir das aus der Beschreibung nicht vorstellen konnte, fuhr ich, nachdem ich am Gedenkstein von Hatun Sürücü Blumen meiner Familie, die teilweise früher im selben Haus gewohnt hat, niedergelegt hatte, nach Schmargendorf. Dort traf ich zuerst auf eine ältere Mitbürgerin, die ich nach dem Weg fragte. Als ich mich als Bezirksverordnete „outete“, freute sie sich, eine leibhaftige Politikerin zu treffen, und wir unterhielten uns angenehm über allerlei aktuelle Themen. Dabei machte sie mich auch auf ein paar Missstände in ihrer Straße aufmerksam, die ich inzwischen an eine Genossin aus dem Vorstand in Steglitz-Zehlendorf einschließlich Fotos weitergeleitet habe. Die freundliche Dame wohnte nämlich auf der anderen Straßenseite und also nicht mehr in unserem Bezirk.
Bei ihr dringen inzwischen die Wurzeln der Straßenbäume durch den Asfalt am Gehsteigrand, der entsprechend Wellen schlägt und auch die Platten des restlichen Gehwegs teilweise anhebt, so dass die arme Frau – und wahrscheinlich nicht nur sie – bereits gestürzt ist. Hier besteht in der Tat eine Gefahr.

Dort, wohin mich die eingereichte Beschwerde führte, sah es dagegen recht harmlos aus. Gewiss hatte der Winter auch ein paar Spuren auf dem Teerstreifen hinterlassen, aber eher geringere. Gerade aus Tempelhof und Neukölln gekommen, fand ich die Situation auch nicht so ungemein unästhetisch, dass hier der Bezirk – laut Schätzungen – gleich 150.000 Euro für Bodenplatten und die Befestigung der Randstreifen ausgeben müsste. Damals bei der Baugenehmigung hatte niemand daran gedacht, diesen Bereich miteinzubeziehen und die Kosten dem Bauherrn anzulasten. Das jetzt nötige Geld ist nämlich in diesem Jahr gar nicht mehr vorhanden und auch im nächsten fraglich. Gleichzeitig habe ich erst dieser Tage Bilder von Schlaglöchern auf Straßen im Westend gesehen, die tatsächliche Verkehrsgefährdung ahnen lassen. Wo sonst noch Geld fehlt, wissen wir; ich sage nur: Spielplätze …..

Im Ausschuss für Eingaben und Beschwerden sind natürlich alle bestrebt den Menschen, die sich an uns wenden, so gut wie möglich zu helfen. Hier fand ich es persönlich aber wirklich schwierig und anderen Ausschussmitgliedern ging es teilweise ähnlich. Mehr als zu versprechen, eine Beschlussempfehlung an die BVV zu schreiben, dass dieser Gehweg bei nächstbester Gelegenheit hergerichtet werden möge, konnten wir ohnehin in dem Fall nicht tun. Sehr glücklich schienen die Petentinnen und Petenten damit nicht zu sein.

Eine weitere Beschwerde wurde verschoben und ansonsten in der Hauptsache über die Entwicklung von ein paar Fällen der Vergangenheit berichtet und für die nächste Sitzung geplant.

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Veröffentlicht am 7. Februar 2013 in Ausschüsse und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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