Warum ich heute geschwänzt habe

Eigentlich war ja der Umwelt-Ausschuss vorgesehen. Allerdings kam am Nachmittag die Meldung von einem Angriff auf das Ökumenische Zentrum WILMA 163. Dort sollte am Abend ein Vortrag von Prof. Dr. Hajo Funke zum Thema „Rechtsradikalismus in Deutschland“ stattfinden. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, was genau vorgefallen ist. Klar war jedenfalls, dass es hier galt, unseren Nachbarn – die WILMA liegt rund 100 m von unserer Geschäftsstelle entfernt – unsere Sympathie und Solidarität zu zeigen. Also gab ich die wenigen Informationen weiter, beantwortete mehrere Nachfragen, telefonierte herum und es war schon klar, dass ich zu spät ins Rathaus Wilmersdorf kommen würde. Gleichzeitig hätte ich mindestens eine halbe Stunde früher gehen müssen, um mit Sicherheit rechtzeitig bei der geplanten Veranstaltung der WILMA zu sein und dort – wäre es nötig gewesen – ein paar Worte als stellvertretende Bezirksvorsitzende zu sagen. Nur ziemlich kurz beim Ausschuss vorbeizuschauen, um mich in die Anwesenheitsliste einzutragen, erschien mir nicht redlich und weil ich ja sowieso nicht abstimmen darf, überließ ich die Sitzung den übrigen Kollegen.

Was war nun aber tatsächlich passiert?
In der Nacht vom 13. auf den 14.02. haben Unbekannte die Türschlösser des Ökumenischen Zentrums in der Wilmersdorfer Straße 163 mit speziellem Sekundenkleber, dessen Konsistenz Spezialisten bislang unbekannt war, verklebt. Handwerker des Schlüsseldienstes schafften es auch nach mehreren Stunden nicht, die Türen zu öffnen. Schließlich mussten die Schlösser herausgebrochen und durch neue ersetzt werden.

Diese Tat steht mit gewisser Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit der für Dienstag abend angekündigten Diskussionsveranstaltung mit Prof. Dr. Hajo Funke zum Thema „Rechtsextremismus in Deutschland“. Auffällig ist, dass in den letzten Tagen ein Großteil der Plakate und Flyer der WILMA 163 zu dieser Veranstaltung im Bereich zwischen Otto-Suhr-Allee und der Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße entfernt wurden, während daneben hängende zu einer anderen Veranstaltung in der kommenden Woche unberührt blieben.

Die gut besuchte Diskussion mit Prof. Funke fand wie geplant statt, davor und ungefähr bis zur Pause unter Polizeischutz. Wenn die Täter_innen gehofft hatten, diese zu verhindern, ist ihnen ihr Vorhaben gründlich misslungen.

Der Vorfall mag, im Vergleich zu anderen Taten aus dem rechtsextremen Spektrum geringfügig erscheinen. Für Charlottenburg ist er bislang außergewöhnlich und ein warnendes Zeichen dafür, dass es keine nazifreien „Oasen“ gibt. Auch in unserem Bezirk sind offensichtlich gewaltbereite Vertreter_innen Menschen verachtenden Gedankenguts unterwegs und es gilt wachsam zu sein, dass nicht bei anderer Gelegenheit womöglich größerer Schaden angerichtet wird.

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Veröffentlicht am 14. Februar 2012 in Ausschüsse, Vermischtes und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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