Gedenken an die Pogromnacht vom 9. November 1938

Nicht zum ersten Mal nahmen wir an der traditionellen Gedenkveranstaltung am Gleis 17 beim S-Bahnhof Grunewald teil. Sie wird von Schülerinnen und Schülern des Gottfried-Keller-Gymnasiums und der Landespolizeischule sowie vom Bezirksamt veranstaltet.
Wolfgang und Marlene am Mahnmal am Gleis 17
Ein Schweigemarsch folgt dem letzten Abschnitt des unfreiwilligen Weges zahlreicher Berliner Opfer des Nationalsozialismus, insbesondere Jüdinnen und Juden, zum berüchtigten Gleis 17, von wo aus sie deportiert wurden. Am Mahnmal findet eine Kundgebung statt, bei der diesmal unser neuer Bürgermeister Naumann in seiner Rede hauptsächlich an den im April verstorbenen Zeitzeugen und Mitinitiator der Veranstaltung, Isaac Behar, erinnerte, dessen Eltern und Schwestern von hier aus nach Riga ins Verderben geschickt worden waren.

Es ist immer besonders bewegend, von den Geschichten einzelner Menschen zu erfahren und ich frage mich regelmäßig, wie ich mich unter ähnlichen Umständen verhalten hätte. Einerseits ist da die Vorstellung, wie es gewesen wäre, Opfer zu sein – nach Nazi-Kriterien hätten die Mitglieder meiner Familie jeweils entweder als „Kommunisten“ oder „Zigeuner“ oder „Asoziale“ gegolten. Und ohne diese Stigmata? Im Nachhinein ist es billig, die Überzeugung zu pflegen, man wäre aufmerksam gewesen, hätte sich in jeder Situation menschlich korrekt verhalten oder Widerstand geleistet. Ehrlicherweise können wir nur hoffen, aber keinesfalls garantieren, dass wir jederzeit das Richtige getan hätten.

Gedenkveranstaltungen dieser Art sollten uns auf jeden Fall zu denken geben und zwar nicht nur an die Vergangenheit. Sie sollen uns ständig ermahnen, auch heute ganz genau hinzusehen und hinzuhören, was um uns herum geschieht – und rechtzeitig einzugreifen, wenn sich Menschenverachtung breitmacht und geistige Brandstifter unterwegs sind. Als Bezirksverordnete stehen wir da in besonderer Verantwortung, zu verhindern, dass sich Rechtsextremismus und -populismus in Charlottenburg-Wilmersdorf zu Hause fühlen. Erst sind es, wie in diesem Jahr bereits geschehen, hässliche Aufkleber und Plakate, Geschäfte mit bei Neonazis beliebter Kleidung oder Versammlungen einschlägiger Organisationen.

Stellen wir uns bereits da entschieden dagegen und warten wir nicht bis es, wie vor 73 Jahren, im Bezirk brennt oder Blut fließt!

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Veröffentlicht am 10. November 2011 in Veranstaltungen und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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